“Marat/Sade” vom Literaturkurs

Geschrieben am 18. Juni 2012 von

Jörg Schuberts Literaturkurs 11/12 hat am vergangenen Freitag Peter Weiss’ Stück “Marat/Sade” (eigentlich: “Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade”) auf die Herder-Bühne gebracht. 1964 geschrieben, war “Marat/Sade” ein internationaler Erfolg, wurde u.a. 1966 mit dem Tony Award als bestes Theaterstück der Broadwaysaison ausgezeichnet und wirkt gerade heute, im Zeichen der galoppierenden Finanz- und Wirtschaftskrise, beängstigend aktuell.

Stefan Schüller spielte den von einer Hautkrankheit gequälten, sein Leben in einer Badewanne fristenden und von Hass auf die Gesellschaft und sich selbst zerfressenen Marat mit wilden Blicken,  Intensität und körperlicher Präsenz. Sein Gegenüber Nicolas Beckmann als de Sade tritt mit Marat in einen historisch so nicht dagewesenen Dialog über ihre konträren Gesellschaftsmodelle und versucht ihn von der Sinnlosigkeit der sozialistischen Revolution zu überzeugen, deren Menschenbild unrealistisch sei.

Ausnahmslos tolle Schauspiel- und (!) Gesangsleistungen auch vom übrigen Ensemble: Marina Seddig als Ausruferin, Bano Kaffaf, Carolin Heinlein, Fabia Klein und Astrid Alex als Marats Mörderin Charlotte Corday (vierfach besetzt), Sarah Hübecker als Simone Evrard, Carlotta Wonneberger als Coulmier, Lilith Frings als Duperret, der umjubelte Leon Bischoff als “roter Priester” Jacques Roux, die vier Sänger Fatih Yüksel, Vanest Fahmi Abas, Anahita Sarkis Karapetians und Derya Ciftci, die Patienten Merve Karaman, Tobias Brenneke, Ruhama Negassi und Dilek Göcer und deren leicht überforderter Pfleger Kemal Kara.

->Fotogalerie von Anton Ennen

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