Ehemaligentreffen Februar 2014

Pensionärstreffen im Kölnischen Stadtmuseum Zeughaus

Eine fröhliche Truppe von fünfzehn Pensionären versammelte sich am 18. Februar 2014 im Kölnischen Stadtmuseum, um wieder einmal eine kurzweilige und sehr informative Führung von der Kölner Kunsthistorikerin Dr. Gabriele Zeitler-Abresch durch die Sonderausstellung “Eigenstein” und zu erleben und einen kurzen Einblick in die ständige Ausstellung zu erhalten. Für nicht Wenige von uns war dieser Besuch eine Premiere im Zeughaus, und so erhielten wir zu Beginn eine kurze Einführung über die Geschichte des Gebäudes, welches mit seinen Fundamenten auf der römischen Stadtmauer steht, und seiner wechselvollen Nutzung. Das Museum ist wie so viele öffentliche Gebäude höchst modernisierungsbedürftig und spiegelt in seinem aktuellen Zustand – ohne Aufzug! – höchst drastisch die Einstellung wider, die die Mehrheit im Kölner Stadtrat gegenüber dem kulturellen Erbe in unserer Stadt vertritt.

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Am Beginn stand also eine Führung durch die Sonderausstellung über das Eigelsteinviertel, welches räumlich nördlich zwischen römischer und mittelalterlicher Stadtmauer einzuordnen ist, im Osten begrenzt durch den Rhein.
Man betrat es durch das römische Nordtor, dessen Nebenflügel heute noch auf der Domplatte steht, allerdings einige Meter höher als früher. Seine tatsächlichen Dimensionen lassen sich heute anhand des Modells nur noch erahnen. Das Eigelsteinviertel hatte eine für Köln typische schillernde Nutzung, die vom Rotlichtviertel über das Wohnquartier bis zu den Werkstätten und der Hochkultur reichte. Neben der massiven Kriegszerstörung im 2. Weltkrieg wurde es Opfer der neuen Verkehrswege, die der technische Fortschritt mit sich brachte: Ab 1837 wurde die Eisenbahn in Hochlage gebaut, vom Hansaring zum Hauptbahnhof und nach 1850 weiter über den Rhein. Dieser Bau führte zu einer Zerschneidung des Viertels ebenso wie zum Niedergang der angrenzenden Nutzung, war man doch unmittelbar von Lärm und Ruß betroffen. Nach 1950 wurde eine zweite Schneise geschlagen: Die Nord-Südfahrt, auch sie trennte weitere Quartiere des Viertels sehr nachhaltig und führte zu erneutem Niedergang. Eine Sanierung wurde in Angriff genommen, nachdem das Rotlichtviertel in der Bereich der Hornstraße und der Klingelpütz nach Ossendorf verlegt waren, allerdings wurden die meisten Arbeitsstätten später verlagert oder mussten ganz aufgegeben werden: Hier lag die Keimzelle der Zuckerfabrik Pfeiffer (später kam & Langen hinzu), die Bekleidungsfabrik für Berufskleidung Proenen, der Limonadenhersteller von Sinalco und Afri Cola, die Brauerei Gaffel, aber auch die Handelshäuser Schuhhaus Kaempgen und der Rewe-Konzern, der hier heute noch seine Zentrale hat. Das Eigensteilviertel ist aber auch die Keimzelle der Kölner Intelligenz: Hier wurden die Universität gegründet sowie das erste Kölner Gymnasium, das Dreikönigsgymnasium. Heute noch beherbergt das Viertel mit dem Ursulinen-Gymnasium eine private Bildungsanstalt für höhere Töchter, die sich eines großen Andrangs erfreut, und mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Tanz eine Insitution, deren Rennommée weit über die europäischen Grenzen reicht. Ebenso befindet sich die Verwaltung des Erzbistums mit dem Generalvikariat in der Marzellenstraße.

In der Ständigen Ausstellung wird anhand von Exponaten gezeigt, was als “typisch Kölsch” bezeichnet werden kann: Selbstverständlich müssen hier das Getränk genannt werden, das nach unserer Muttersprache – oder umgekehrt? – benannt ist, ferner der Karneval mit seinen drei unterschiedlichen Wurzeln, selbstverständlich die Ford-Werke, aber auch das Original des Verbundbriefs, der eigentlich ins Stadtarchiv gehört und dort vermutlich mit unter gegangen wäre. Das Original des Merctor-Plans von 1570 und der “Vater-Rhein”-Tafelaufsatz für das Tafelsilber beeindrucken durch ihre einmalige Bedeutung, während der kölsche Klüngel kaum museal dargestellt werden kann.

Abschließend muss eines klar gestellt werden: Das Museum befindet sich in einem bedauernswerten Zustand, der auch massive Einbußen für den Komfort der Besucher bedeutet: Während in anderen Kölner Museen komfortable Klappstühlchen mit Lehnen für die Besucher zur Verfügung stehen, hält man hier rot-weiß bezogene Klapphöckerchen bereit, die für Grundschulkinder hervorragend passen. Unserem wahrhaft großen Kollegen Johannes Klotz mochten wir solch ein Höckerchen nicht zumuten, als kölsche Lösung bot sich einzig ein Rollstuhl an, der kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Also musste der Rollstuhl treppauf / treppab getragen werden, damit Herr Klotz nicht die gesamten zweieinhab Stunden stehen musste – anschließend ist er mit uns sehr vergnügt zur U-Bahn-Station gegangen.

Wer bei diesem Treffen der Herder-Pensionäre nicht dabei sein konnte oder wollte, hat wieder etwas verpast.

Beim nächsten Pensionärstreffen wird eine Nachbesprechung in einem Biergarten eingeplant, das wird hiermit fest versprochen.

Hajo Eimermacher.