Ehemaligentreffen November 2013

Mehr als ein Dutzend fröhlicher Pensionäre trafen sich bei strömendem Regen im Museum für Angewandte Kunst, um erneut für zwei Stunden von der Kölner Kunsthistorikerin Dr. Gabriele Zeitler-Abresch in entspannter Art und Weise eine Fülle von Zusammenhängen und Hintergrundwissen zu erfahren.

Die Themen waren breit gestreut – von der Geschichte dieses Museumsbaus über den Begriff des Designs bis zu den ausgestellten Exponaten, die zwischen der Erfindung der Dampfmaschine und dem Jahr 1950 hergestellt wurden.

Die Geschichte dieses Gebäudes ist eng verzahnt mit der Säkularisation unter Napoleon, den Kölner Stiftungen im 19. Jahrhundert, den Kriegsereignissen zwischen 1940 und 1945 und der Nachkriegsklüngelei im Hillije Kölle.

Wer das englische Wort “design” ganz brav mit zeichnen übersetzt, greift selbstverständlich hier bei der Kunst viel zu kurz: Anhand einer didaktisch geschickt angelegten horizontalen Zeitleiste, die sich wie ein Band durch die gesamte Ausstellung zieht, werden politische Ereignisse und technische Erfindungen übereinander gestellt – ein unmittelbarer Zusammenhang lässt sich nur selten herleiten. Mit der Erfindung der Dampfmaschine und der dadurch ausgelösten industriellen Revolution wurden nicht nur vielfältige neue Berufe geschaffen, sondern damit verbunden die entsprechenden Arbeitsplätze und Gebäude, die zweckgebunden und kostengünstig gestaltet sein mussten. Aus den zunächst “Kathedralen der Technik” wurden später nüchterne Zweckbauten; neue Materialien wurden erfunden und in den Wohnungseinrichtungen verwendet, wie die ersten Schreibtische aus Stahlblech oder Sitzmöbel aus verchromten Metallrohren. Das Berufsbild des Architkten wandelte sich vom kundigen Baumeister, der viele Gewerke beherrschen musste, zum Künstler, von dem man auch einen modernen Baustil unter Wahrung der Individualität des Gebäudes erwartete: das Gebäude als Kunstwerk, in welchem auch in den Innenräumen nichts Wesentliches verändert werden durfte. In Köln sind wir stolz auf zwei Arbeiter-Wohnsiedlungen im Bauhausstil, die gerade in den letzten Jahren unter Wahrung der Originalität modernisiert worden sind.

Umgekehrt erfolgt der Schritt vom gestaltenden Maler oder Bildhauer zum Innenarchitekten, der Möbelstücke des täglichen Gebrauchs gestaltet – ob man sich auf diesen Sitzgelegenheiten wohlfühlt oder wieder aufstehen kann, ist dabei sekundär. Technische Geräte im Haushalt werden zu Symbolen der Modernität und / oder der politischen Einstellung der Benutzer – so der elektrische Babyflaschenwärmer im Raketendesign, das elektrische Bügeleisen mit seitlichen Tragflächen oder das Radio im Stil der Flagge der USA. Der deutsche Volksempfänger gehört ebenfalls in diese Linie, ganz gewiss der VW-Käfer nach dem 2. Weltkrieg.

Die zwei Stunden gingen fast wie im Fluge vorbei und gaben Anregung zu einem weiteren Besuch dieses Museums, denn spannend sind auch die Exponate aus der Zeit nach 1945.

Ebenfalls sollte der Eine oder die Andere von uns auf ihren / seinen Reisen durchaus einen Blick in das eine oder andere Industriemuseum werfen, in welchem ebenfalls die Geschichte des Designs höchst anschaulich dokumentiert ist.

Wir Herder-Pensionäre freuen uns jedenfalls auf die nächste Führung von Frau Dr. Gabriele Zeitler-Abresch, wer hierzu nicht kommen kann oder will, wird wieder einiges verpassen.

Hajo Eimermacher, 7. November 2013