Ehemaligentreffen September 2014

Am 27. August fand sich trotz Urlaubszeit ein Dutzend Pensionäre zu einer hochinteressanten Führung durch die Ausgrabungen unter St. Severin, die “unsere” Kunsthistorikerin Dr. Gabriele Zeitler-Abresch in bewährt launiger Manier wieder hoch spannend gestaltete.

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Bereits die Ubier und dann die Römer verbrannten im 1.-3. Jahrhundert weit vor der Stadt ihre Toten – die heutige Kirche liegt einen guten Kilometer südlich der römischen Stadtmauer – und dort nahe der Ausfallstraße nach Bonn wurden etwas später ein römischer Sakralbau errichtet, darüber um 900 eine romanische Basilika fertiggestellt. Nach mehreren Erweiterungen war im 16. Jahrhundert die heutige Gebäudedimension erreicht, im Innenausbau allerdings neugotisch im Stil der damaligen Zeit.

Die freigelegten Ausgrabungen – ganz in der Nähe wurde das Pobilcius-Grabmal gefunden – zeigen die unterschiedlichen Baustoffe und -methoden, wie seit der römischen Zeit in Köln die Fundamente großer Gebäude konstruiert waren; man musste schließlich ohne statische Berechnungen auskommen. So wurden vorgefundene Steingräber zuweilen in das Fundament integriert, indem deren Deckel angehoben und entfernt wurde, alsdann der Hohlraum, nach dem Umbetten evtl. Leichenreste und dem Bergen von Grabbeilagen, mit römischem Trass-Beton ausgegossen wurde, um eine ebene Fläche zu erzeugen, auf der man weiter in die Höhe oder einen Fußboden bauen konnte. Entsprechende Abnutzungsspuren durch Tritte lassen sich nachweisen; auch verbaute man Basalt aus dem Siebengebirge.

Jeder Erweiterungsbau erhielt eine neue Außenmauer, so dass heute sehr schön baugeschichtlich zu datieren ist, wie wann gebaut wurde. Spannend wird die Archäologie in dem Moment, wenn man sich die unterschiedliche Ausrichtung der Gräber und der Kirche anschaut – sie liegen nicht exakt in der Ost-West-Richtung, sondern zuweilen leicht versetzt, was durch die Einnordnung in Ermangelung eines Kompasses begründet ist: Der Geodät nahm zum Beginn der Vermessungsarbeit schlicht den Stand der Sonne auf, und zwar beim Sonnenaufgang und nicht bei ihrem Höchststand.

Die anschließende fröhliche Nachbesprechung bei einem Kölsch (sic!) geschah im Angesicht des Kirchturmes und zeigt, dass wir mit unserem Pensionärstreffen vermutlich den einzigen schönen Sonnentag in diesem verregneten Sommer erwischt haben.

Wer nicht kommen konnte oder wollte, hat mal wieder etwas verpassst.

Hajo Eimermacher