Chris goes Vienna – Fahrt der Musical-AG

Geschrieben am 18. Juni 2012 von Tricha Miakanda Nestor

Der Himmel über dem S-Bahnhof Köln-Dellbrück ist schon in ein angenehmes helles Rot getaucht, als sich acht Mitglieder des aktuellen Herder-Musical-Ensembles von hier um 5:30 Uhr in Richtung Flughafen Köln/ Bonn auf den Weg machen. Nur zweieinhalb Stunden später landen sie im gerade erwachenden Wien, wo ihre besondere Mission erst richtig beginnt:

Das Musical „Leben ohne Chris“, das am 26. Oktober am Herder Premiere haben wird, wird als österreichische Erstaufführung gerade von Studierenden des Vienna Konservatoriums in Wien gespielt. Die Assistentin der Produktionsfirma Emdisstage ist im Internet auf unsere Schule gestoßen und hat uns zu den Aufführungen eingeladen. Wir treffen sie nun und machen mit ihr und dem Leiter der musikalischen Abteilung einen Rundgang durch das Vienna Konservatorium inklusive spontanem Blitzbesuch bei Ballett- und Theaterproben. Manch einer mag dabei eine Vorstellung entwickelt haben, wie es wäre, hier oder an vergleichbaren Hochschulen eine Musical-Ausbildung zu absolvieren.

Am Abend folgt dann das große Ereignis: Das Musical, das wir bisher nur vom Textbuch, also aus unserer eigenen Phantasie, und von den Proben kennen, erwacht auf der kleinen Bühne des „Theaters im 1. Stock“ mitten im Herzen von Wien zum Leben. Jedes Wort, jedes Lied ist uns im Innersten bekannt, jeder Regie-Einfall wird registriert und in den Pausen beginnt sofort die Diskussion: Was können wir übernehmen, welches Konzept geht auf, was wollen wir anders machen?

Nach der Vorstellung lernen wir das Wiener Ensemble kennen. Das Eis ist sofort gebrochen. Die vertrauten Charaktere des Musicals – Chris, Nadja, Matze, Lisa und alle anderen – schaffen auf beiden Seiten eine emotionale Verbundenheit, die alle vergessen lässt, dass wir uns erst vor wenigen Augenblicken kennengelernt haben. Es ist wie ein besonderes Familientreffen – es entstehen gemeinsame Fotos – jeder von uns neben seinem österreichischen Rollen-Double – und nachher in der Kneipe kommt es zum langen, intensiven Austausch über viele Rollen- und Regie-Details bis tief in die Nacht. Als wir schließlich in unserem gemütlichen Wombats-Hostel am Westbahnof in die Betten fallen, erscheint uns dieser 22-Stunden-Tag wie eine halbe Woche.

Das unverhoffte Achterbahn-Fahren im Vergnügungspark am Prater weckt uns am nächsten Vormittag wieder die Sinne und schweißt die Gruppe im Adrenalin-Kick noch einmal biologisch zusammen. Die motivierende Wirkung der vorabendlichen Aufführung setzt sich mit gesteigerter Wirkung fort. Auf der achtstündigen Rückreise mit der Bahn sprechen wir nicht nur den noch wenig geprobten 2. Akt durch, sondern schaffen auch noch einen kompletten Durchlauf des 1. Akts. Bei einigen Darstellern hat sich bereits ein unüberhörbarer Wiener Dialekt eingeschlichen – erste Folge des intensiven Kulturaustauschs!

Wir freuen uns sehr auf die noch vor uns liegende Entstehungsphase unserer Version des Musicals, erwarten einige österreichische Team-Kollegen zum Gegenbesuch im Herbst und laden alle Musical-Freunde herzlich ein, sich unsere Aufführung nicht entgehen zu lassen – alles andere wäre doch a Schmarr’n!