Herder sang – und wie!

Geschrieben am 15. Juni 2013 von Tricha Miakanda Nestor

Tosender Beifall beim Sommerkonzert „Herder singt!“ mit über 170 Akteuren

Es war ein Musikfest! Schon als sich im Dunkeln der Vorhang unter dem Gejohle der knapp 500 Zuschauer in der ausverkauften Aula öffnete, merkten alle, dass sie hier etwas Neues erwartete. Das Intro-Video stellte den thematischen Rahmen vor: Die Kamera erhob sich am selbst gebauten Kamerakran aus dem Tau-benetzten Bambus auf dem Schulhof des Herder-Gymnasiums, dahinter die Aula im Sonnenaufgang. Dazu ertönte eine sinfonische Version der Herder-Hymne. Plötzlich kippte die friedliche Stimmung: Ein Mädchen (Dijle Sengün), deren Silhouette plötzlich auf der Leinwand erschien, tippte in die Idylle immer neue, futuristische Schreckensmeldungen aus der Bildungspolitik, die bis ins Jahr 2027 reichten. Auf G 8 folgen demnach die Einführung von G 7, G 6 und schließlich sogar G 5. Nebenfächer werden abgeschafft, Singen wird verboten. Kulturarbeit findet nur noch durch die Medien statt. Am Ende fiel die Projektionsleinwand und das Mädchen stand leibhaftig im Gegenlicht auf der Bühne und tat das, was im Laufe des zweistündigen Programms nahezu alle 170 Akteure dieses unvergesslichen Abends ebenfalls taten: Sie sang!

Egal welche Gruppe – die gesamte Klasse 5b, ein Zusammenschluss aller 7er-Klassen, die Musical-Solisten von „Leben ohne Chris“, der 8er WP-II-Kurs, die neue Rock-Band „Flashback“, der mit Schülern, Eltern und Lehrern besetzte Herder-Chor oder die Solistinnen Carolin Heinlein, Eva Müller, Moana Lamm, Senta Scholta oder Rapper Lars Fügemann – alle holten an diesem Abend das Beste aus ihren Stimmen heraus. Die Vielfalt und hohe stimmliche Qualität der Beiträge war beeindruckend und überzeugte das Publikum. Das Herder kann sich glücklich schätzen, so viele aktive Sängerinnen und Sänger in den eigenen Reihen zu haben. Denn vielerorts ist das gezeichnete Schreckensszenario einer verkürzten Bildung bereits Realität: Ensembles werden aufgelöst und Musikunterricht gestrichen. Schüler und Musiklehrer kapitulieren angesichts des Zeit- und Geldmangels und der vom Arbeitsmarkt diktierten Leistungsorientierung.

Die beiden Moderatoren Greta Hansen und Alexander Gora, die souverän und charmant durch den Abend führten, machten an vielen Stellen in kabarettistischer Form darauf aufmerksam (z. B. durch die Erwähnung der neuesten Sparmaßnahme des Schulträger, jedes Halbjahr einen Konsonant und einen Vokal wegzulassen). Auch das Publikum vereinte sich spätestens bei „Sing mal wieder“ und „We will rock you“ zu einem gemeinsamen Klangkörper. Die Tanz-AG löste bei ihrer Tanz-Performance mit Seilen immer wieder neu verknüpfte, kunstvolle Knoten. Das Streichorchester – zahlenmäßig gut aufgestellt – erstrahlte gemeinsam mit der Junior Band in neuem Glanz und auch die Big Band präsentierte einen ganz neuen Klang der Post-Samuel-Ära. Die Licht- und Tontechnik, die souverän von den bewährten Kreativ-Bastlern Fabian Scheidt und Leo Hill bedient wurde, sorgte für die richtige Lautstärke jedes Beitrags und setzte alle Akteure ins rechte Licht.

 Egal wo es mit der Bildung in NRW und in Deutschland hingeht – für dieses gelungene Konzert wird es sicher ein Nachspiel geben. Herder singt – jetzt erst recht!