laut!-Kolumne: Mein erster Schultag

Geschrieben am 4. September 2013 von Sahel Haider

Auf der Facebookseite der laut! lassen sich nun die recht bemerkenswerten ersten Eindrücke eines Neuzugangs am Herder nachlesen. Wir hoffen auf mehr!

Und selbstverständlich gibt es hier auch den Text für alle Klickfaulen und Facebook weniger Zugeneigten:

Nein, unser Autor ist kein 5t-Klässler. Er ist Iraner, hatte gerade seinen 18. Geburtstag und hat sein Abi längst in der Tasche (Schnitt: 1,2!). Dennoch ist er seit einem Jahr wieder an der Schule und macht gerade als Schüler der Q1 sein Abitur am Herder. Warum das so ist und wie sehr sich das Herder von einer iranischen Schule unterscheidet, berichtet er Euch in seiner Kolumne auf laut!.

Ein Jahr Herder – die Einleitung (FF)

Mein erster Schultag hier auf dem Herder – wie oft ich schon darüber nachgedacht habe. Es kommt mir so vor, als ob es gestern wäre. Aber ein Jahr ist schon vergangen, ein ganzes Schuljahr. Es gab Ereignisse, die ich mir nicht mal im Traum vorstellen konnte.

Es war ein Mittwoch, der 22. August, um genau zu sein. Ich kann mich noch gut an das Datum erinnern, weil ich am selben Tag Geburtstag hatte. Der Unterricht fing erst in der dritten Stunde an, aber für manche, einschließlich mir, ein wenig später. Wir mussten uns noch neue Stundenpläne abholen. Mit ein wenig Verspätung kam ich dann zu meiner ersten Philosophie-Stunde bei Herrn Schubert. Ich weiß zwar nicht, ob sich auch andere vorgestellt haben, aber ich musste mich vorstellen und habe dann wahrscheinlich das Interesse des einen oder anderen geweckt, natürlich auch das von Herrn Schubert.

Das soll jetzt nicht überheblich klingen. Es ist nur meine Situation, die – um es mal vorsichtig auszudrücken – anders ist. Wisst Ihr, ich hatte es mir nie vorgestellt, dass Philosophie-Unterricht auch „so“ ablaufen kann. Für fast alle mag es ja „normal“ sein, aber für mich war es etwas Neues. Nicht, weil ich noch nie Philosophie hatte, nein, sondern weil das ganze Unterrichtsverfahren hier in Deutschland nicht mit dem im Iran zu vergleichen ist. Texte zu lesen und seine Meinung darüber zu äußern, darüber diskutieren, das kannte ich bisher nicht. Ich war es bis dahin gewohnt, dass Lehrer Vorträge halten und wir die Fakten auswendig lernen mussten. Das ist hier schon deutlich interessanter!

Vielleicht fragt Ihr Euch ja, wieso ich es mit dem vom Iran verglichen habe? Tja, was soll ich sagen. Am besten stelle ich mich mal kurz vor:

Ich bin ein 17-jähriger Junge, habe schon mein Abitur in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften mit einem Durchschnitt von 1,2 abgeschlossen und wiederhole es noch einmal, da ich ein europäisches Abitur brauche um in Deutschland studieren zu können. Ich komme aus Teheran, der Hauptstadt vom Iran und bin aus verschiedenen Gründen seit mehr als einem Jahr hier in Köln und gehe hier auf Herder zur Schule.

Um ehrlich zu sein, hat es mich auch am Anfang richtig genervt, alles nochmal zu wiederholen, aber nicht mal nachdem ein Monat vergangen war, nicht mal bis zu den Herbstferien, hatte ich eine ganz andere Denkweise darüber entwickelt. Es war einfach ein tolles Jahr, von dem ich Euch in den folgenden Wochen in dieser Kolumne auf der Facebook-Seite von Laut! berichten möchte.