Per Fernsehshow zum Seelenheil – sehr gelungenes Musicalgastspiel in der Aula

Geschrieben am 23. März 2014 von Tricha Miakanda Nestor

Einfach nur Geld reicht als Preis für eine moderne Fernsehshow heute nicht mehr aus. Was kann man nicht schon alles durch das Fernsehen auch im privaten Bereich erreichen: Vor laufender Kamera zur Schönheits-OP, Renovierung der eigenen Wohnung durch das Fernsehteam, die Super-Nanny erzieht die Kinder, mit strengen Trainern endlich richtig abnehmen, Berater helfen beim Abbau von Schulden oder moderne Frauen buhlen vor laufender Kamera per Rose um einen neuen Liebhaber.

Eines der letzten Refugien des fernsehfreien Lebens fiel am letzten Freitag in der Aula des Herder-Gymnasiums: Da stellte der Moderator, gewitzt und charmant dargestellt von Ben Neuen, seinen Kandidaten als Preis der Show nicht weniger als einen Platz im Himmel in Aussicht. Korrektes Benehmen und das Einhalten des biblischen Regelkanons sei nicht mehr nötig, um dieses begehrte Ziel zu erreichen, sondern allein das richtige Beantworten einiger Fragen zu Geschichten aus dem Neuen Testament. Diese wurden jeweils vorgespielt und endeten mit einer offenen Frage, zu der die beiden Kandidatinnen (Belgin Besser und Clara Patzschke) Stellung nahmen.

Kommentierend oder auch als Teil der Handlung sang bei den meisten Szenen der Chor Singaholics, schwungvoll begleitet von einer vierköpfigen Band und souverän geleitet von Mechthild Brand, Kantorin in Köln-Dellbrück. Jan-Severin Irsch – an Weiberfastnacht noch eher weltich als Kopf der Band „Numbers“ mit Nirvana- und aktuellen Pop-Titeln auf der Aulabühne unterwegs – zeigte als verlorener Sohn und als Pharisäer, dass er auch die leiseren, nachdenklichen Töne sehr gut beherrscht. Einige weitere Namen haben bereits einen festen Platz – möglicherweise auch schon im Himmel, aber auf jeden Fall in Herders Kulturchronik: Jana und Julian Scheben sowie beinahe die gesamte Familie Sieger trugen an verschiedenen Stellen (auf der Bühne, in der Technik und in der Organisation) als feste und langjährige Ensemble-Mitglieder zum Gelingen des Abends maßgeblich bei. Mira Schultze-Rhonhof – der Schule bereits als exzellente Flötistin bekannt – kam dann in der Rolle eines Kindes kurz vor der Preisverleihung mit ihrem Solo-Lied zur entscheidenden Erkenntnis: „Ich bin zwar noch jung, aber ich bin gewiss: Zum Himmel zu kommen, dafür braucht man kein Quiz.“

Das Herder dankt allen Akteuren und freut sich auf die Fortsetzung des kulturellen Austauschs. Thematisch ließe sich die Geschichte vielleicht auch weiterdenken: Der Showmaster kehrt mit einem neuen Format zurück: „In 20 Fragen zum Abitur“ oder – als russische Variante: „Gewinne deine eigene Halbinsel“ …

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