Sportunterricht und Flüchtlinge als Nachbarn

Geschrieben am 5. September 2015 von Carlo Nitsch

Liebe Eltern,

Sie haben alle erfahren, dass die vom Berufskolleg und dem Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium gemeinsam genutzte Dreifachhalle im Moment eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge ist. Die Schulleitung bedankt sich für Ihr Verständnis hinsichtlich der bisherigen Regelung, den Sportunterricht auf den Schulhöfen stattfinden zu lassen.

Die Stadt Köln hat sich in vorbildlicher Form erfolgreich darum bemüht, Ersatzhallen für den Sportunterricht zur Verfügung zu stellen. Zu ihnen gehören u. a. das Stuntwerk (Kletterhalle) sowie die Halle des Ringerclubs in der Schanzenstraße, die Mitnutzung von Hallen am Herler Ring, an der Grundschule Kopernikusstraße und an der Katharina-Henoth-Gesamtschule in Höhenberg.

Zum Transport der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte stellt die Stadt Busse zur Verfügung. Lediglich die Halle an der Grundschule Kopernikusstraße (etwa 900 Meter vom Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium entfernt) wird in der ersten Stunde (Beginn 8.00 Uhr) morgens von den Schülerinnen und Schülern selbst aufgesucht. Der Rücktransport zur Schule erfolgt über Busse. Die Lehrkräfte informieren die betroffenen Klassen entsprechend.

Ab Montag, dem 07.09.2015, beginnt der Unterricht in den Ersatzhallen.

Neben dem Dank für das Engagement der Stadt Köln gilt es an dieser Stelle auch dem Einsatz und dem Verständnis unserer Sportfachkolleginnen und –kollegen zu danken sowie vor allem Herrn Hilpert, dem Vorsitzenden der Fachschaft Sport, Hochachtung für die sehr aufwändige organisatorische und einfallsreiche Arbeit auszusprechen.

Es gibt vielfache Anfragen, wie die Schule Solidarität mit den Flüchtlingen in unserer Nachbarschaft zeigen kann. Erfreulicherweise bekunden viele Schülerinnen und Schüler Interesse daran, Zeichen der Solidarität zu setzen. Am Mittwoch, dem 02.09.2015, fand eine erste Aktion statt. Etwa ein Dutzend junge Menschen unserer Schule besuchten mit der Schulleitung unsere neuen Nachbarn. Unsere Schülerinnen und Schüler brachten Zeichenblöcke und Farbstifte sowie viel Teig für Waffeln mit. Viele Flüchtlingskinder und auch Erwachsene nahmen die Malaktion und die Waffeln mit Begeisterung auf. Trotz aller Verständigungsprobleme war die Kommunikation äußerst lebhaft und intensiv. Für die Menschen in der Dreifachhalle waren die wenigen Stunden mit unseren jungen Leuten ein Moment des Glücks. Es sind weitere Begegnungen geplant, zumal immer mehr Schülerinnen und Schüler teilnehmen wollen und die Ersteilnehmerinnen und –teilnehmer noch motivierter sind als vor der ersten Begegnung.

Des Öfteren wird gefragt, ob Spenden möglich sind. Die Dreifachhalle ist eine Erstaufnahmestätte, in der die Verweildauer i.d.R. nicht sehr lange ist und in der es keine Möglichkeit gibt, Gegenstände zu lagern. Vor diesem Hintergrund müssen wir noch abwarten, was Kleiderspenden u. ä. angeht. Das Wichtigste für die Menschen ist das Gefühl, dass andere Menschen für sie da sind und ihnen Zuwendung über Aktivitäten zeigen. Es ist z. B. daran gedacht, Kinder und auch Erwachsene zu offenen Zirkusproben an Freitagnachmittagen in die Schule einzuladen.

Mit besten Grüßen

Johannes Röhrig

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